Streiken für das Klima – Teil 1

Streiken für das Klima

Am Freitag, dem 18. Januar gehen in der ganzen Schweiz und grossen Teilen Nordeuropas die SchülerInnen auf die Strasse. Sie kämpfen für eine verantwortungsbewusste Klimapolitik.

Die punkT-Reportage in drei Teilen.

Eine Fünfzehnjährige kämpft für eine bessere Zukunft

Greta Thunberg, Klimaaktivistin, Schülerin

Bild: EPA/TT news agency

Teil 1

“I don’t care about being popular, I care about climate justice and a living planet.”

Mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin, Schülerin

 

Es war am 16. Dezember 2018, als die 15-jährige Greta Thunberg mit ihrer Rede am Weltklimagipfel einen Tsunami an Klimaprotesten von Nordeuropa bis nach Australien auslöste. Aber wer ist diese fünfzehnjährige Aktivistin, die von dem New York Times Magazin als eine der einflussreichsten Teenager 2018 eingestuft worden ist? Und was will die Bewegung «Climate Justice Now?»

Greta Thunberg wurde im Jahre 2003 in Schweden geboren, als Kind von der Opernsängerin Malena Ernman und dem Schauspieler Svante Thunberg. Mit acht Jahren befasste sie sich zum ersten Mal mit dem Klimawandel. Sie begann das Licht auszuschalten, sich nachhaltig zu ernähren und schwor sich, nie wieder einen Fuss in ein Flugzeug zu setzen. Mit elf Jahren wurde sie nach der immer intensiver werdenden Auseinandersetzung mit dem Klimawandel depressiv. Sie hörte auf zu sprechen und zu essen.

«Varför ska jag lära mig för en framtid som kanske inte är snart?»

Wieso sollte ich für eine Zukunft lernen, die vielleicht bald nicht mehr ist?

Greta Thunberg, Klimaaktivistin, Schülerin

Dann aber, im August 2018, inmitten der Hitzewellen, die ganze Teile Europas erfasste, fing sie an aus Protest nicht mehr an die Schule zu gehen und zu streiken, trotz harter Kritik von Schule und Eltern. Erst ganzzeitlich, dann jeden Freitag. «SKOLSTREJK FÖR KLIMATET» (Schulstreik für das Klima) steht auf dem Kartonschild, dass sie jeden Freitag beim Streiken begleitet. Tausende Schülerinnen und Schüler mehrheitlich aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Frankreich, Deutschland aber auch Australien und der Schweiz, bekennen ihre Solidarität zu Greta Thunberg. So finden an Freitagen, verteilt über ganz Nordeuropa immer wieder Schülerstreiks statt. Die Schüler gehen auf die Strasse, weil es ihnen nicht egal ist, was alte Politiker mit ihrer Zukunft machen. Im Namen dieser Bewegung fuhr die junge Aktivistin mit ihrem Vater in einem Elektroauto an den UN-Klimagipfel nach Katowice in Polen und hielt im Namen der Bewegung «Climate Justice Now» folgende Rede:

«Mein Name ist Greta Thunberg. Ich bin 15 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich spreche im Namen der Initiative «Climate Justice Now». Viele Menschen sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und dass es egal ist, was wir tun. Aber ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, um einen Unterschied zu machen. Wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollen würden.

Aber um das zu tun, müssen wir klar sprechen. Ganz egal, wie unangenehm das sein mag. Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen. Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen. Sogar diese Bürde überlasst ihr uns Kindern.

Aber mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können. Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass ein paar wenige Menschen auch weiterhin enorme Summen an Geld verdienen können. Unsere Umwelt wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können. Es ist das Leid vieler Menschen, das für den Luxus dieser wenigen Menschen bezahlt.

Im Jahr 2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Falls ich Kinder habe, werden sie diesen Tag vielleicht mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach euch fragen. Vielleicht werden sie fragen, warum ihr nichts unternommen habt, solange es noch Zeit gab, um zu handeln. Ihr sagt, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Und trotzdem stehlt ihr ihnen ihre Zukunft, direkt vor ihren Augen. Solange ihr euch nicht darauf konzentriert, was getan werden muss, sondern darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung.

Wir können keinen Ausweg aus dieser Krise finden, wenn wir sie nicht wie eine Krise behandeln. Wir müssen die fossilen Brennstoffe im Boden lassen. Und wir müssen uns auf Gerechtigkeit konzentrieren. Und wenn Lösungen in diesem System so schwer zu finden sind, dann müssen wir vielleicht das System ändern.

Wir sind nicht hierhergekommen, um die Spitzenpolitiker der Welt anzubetteln. Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert. Und ihr werdet uns wieder ignorieren. Euch gehen die Entschuldigungen aus. Und uns geht die Zeit aus. Wir sind hierhergekommen, um euch wissen zu lassen, dass Veränderung kommen wird, ob es euch gefällt oder nicht. Die echte Macht liegt bei den Menschen.»

Greta Thunberg, Rede vom 16. Dezember am UN-Weltklimagipfel
 

Der nächste Schülerstreik in der Schweiz findet am Freitag, dem 18. Januar statt, verteilt auf die grösseren Orte des Landes. Die Schüler der Kantonsschule Wohlen ziehen am Freitag nach Aarau, wo der Streik um 10:30 am Bahnhofplatz beginnt. Sie senden ein Zeichen nach Bern, wo der Nationalrat momentan die Totalrevision des CO2-Gesetzes für die Zeit nach 2020 diskutiert sowie die Verknüpfung des Emissionshandels der Schweiz und der EU.

Die Forderungen der Schüler sind klar. Sie wollen netto null Treibhausgas-Emissionen bis 2030 und die Ausrufung des Klimanotstandes.

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